Wirtschaft und Freiheit

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Ich möchte in dieses Kapitel einsteigen einem dreiteiligen Gedankenexperiment. Ohne der Dialektik allzu nahe zu stehen, soll in diesem Fall dialektische Methodik für eine Synthesenbildung (3.Teil) verwendet werden. Dabei soll eigentlich nicht so viel Neues ans Tageslicht kommen, aber vieles was in unseren Köpfen über Freiheit und Markt herumspringt soll in eine gewisse Ordnung gebracht werden. Jeder Teil soll zusätzlich literarisch eingeleitet werden. Die Teile werden peu a peu ins Netz gestellt.

Heute: Einleitung zum ersten Teil: Liberalismus

Liberalismus zum selber bauen...

„Ach wissen sie, da bin ich liberal“ sagt Herr Mises im Spätsommer als die Schaufenster der großen Marken wieder mit den neuesten Herbsttrends ausgestattet werden. Liberal ist eines der Lieblingswörter von Herr Mises. Er mag es, wenn Leute was aufbauen, sich im Griff haben. Herr Mises denkt gerne an das, was die „Liberalen“ in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erkämpft haben und stellt sich vor, er sei mit dabei gewesen, in Baden, in Frankfurt. „Die Leute merken gar nicht, was wir den Burschen von damals alles zu verdanken haben“ sagt er, wenn es um das Soziale geht. „Liberalismus ist die friedlichste Religion“, sagt er wenn er diskutieren will und „Freiheit braucht der Mensch!“ wenn es um seine beiden Töchter geht. Michaela studiert Jus im dritten Semester. Elisabeth ist noch auf dem Internat. „Im Grunde stehen ihnen alle Wege offen, das habe ich immer gesagt“, sagt Herr Mises aber er auch „Per aspera ad astra!“


Herr Reinhart sagt, „ich finde, man muss das ein bisschen liberaler sehen“, als er an einem Februarwochenende in seiner Steuererklärung intertemporäre Verrechnungen vornimmt. Herr Reinhart freut sich. „Viele kennen ja die Gesetze gar nicht“ sagt er. „Wenn man von sieben Uhr morgens bis in den frühen Abend hinein arbeitet, will man schon auch etwas dafür haben“, meint Herr Reinhard. Herr Reinhart ist Leistungsträger. „Jetzt mal sehen, nach Pfingsten fliege ich mit meiner Frau nach Indonesien, eine Woche Hotel, eine Woche Rundreise. Das wird sicherlich spannend. Seit die einen liberalen Kurs eingeschlagen haben, geht es da unten ja richtig aufwärts.“ erklärt Herr Reinhart. Er streckt sein Kreuz und brummt dabei leise, bevor er mit seinem Gesundheitsstuhl wieder vor den Ausdruck auf seinem Arbeitstisch rollt. „Es sind halt nur vier Wochen Urlaub im Jahr, aber uns geht es nicht schlecht; ich kann nicht klagen.“


„Freiheit meint selber zu entscheiden. Und was machen wir? Wir schreiben den Leuten vor wie sie es zu tun haben“ stellt Frau Homberger fest. Sie sagt „Der Liberalismus ist ohne Freiheit nicht denkbar!“ und „Man muss die Dinge sich selbst entwickeln lassen, das sehe ich doch bei meinem Stefan“ Frau Homberger ist aktiv. Zwei mal im Jahr spendet sie für Brot an die Welt 150€. „Und dann ist da ja natürlich der Klub, wo man auch immer mal wieder was einbringt“ sagt sie. „Und dann muss ich auch ehrlich sagen, dass es unter liberal Denkenden einfach am angenehmsten ist, auch wenn es um andere Themen geht, als immer nur um das Politische“ lacht sie. Sie hat einen neuen `Insidertipp´ für einen asiatischen Fond von Riedstätters aus dem Klub. Jetzt geht sie kurz auf die Bank bevor der Stefan von der Schule kommt. Dann gibt es die Truthahnnuggets. „Die gibt es jetzt , die wollte ich mal testen, mein Mann kommt erst ja erst Abends“, sagt sie.

Ein kurzer Gang durch die Geschichte des Liberalismus zeigt, welche unterschiedlichen Werte und mit unter widersprüchlichen Forderungen die Bezeichnung liberal als Charakteristika erhalten hat. Die orthographische Präzisierung begann daher sehr früh. Dennoch stehe, egal ob links-, sozial- oder nationalliberal, ob neo-, ordo-, ultra- oder schlicht wirtschaftsliberal das Individuum und dessen Freiheit (lat. liber: frei, lat. liberalis: die Freiheit betreffend, freiheitlich) im Mittelpunkt aller Strömungen, dieser auf eben dieser freiheitlichen Gesinnung basierenden politisch-philosophischen Schule. An der Verwendung des Wortes Freiheit zu sparen würde in jedem Rhetorikermagen auch schnell zu Verkrampfungen führen, betrachtet man die Reputation dieses schönen Wortes. Jeder spricht sich für die Freiheit aus. Unfrei sind die anderen. Greift man einen beliebigen Konflikt heraus, wird man fast immer feststellen, dass beide Konfliktparteien in ihrem Sinne von der Freiheit sprechen. Die Frage ist nur, ob es stets jemanden gibt, der im Recht ist mit seiner Beanspruchung. Der amerikanische Soldat in Vietnam oder im Irak ist überzeugt von seiner Mission im Namen der Freiheit, auch wenn diese Überzeugung mitunter nicht die selbe Ebene erreicht, die sich die Politik in Washington wünscht. Der Vietcong-Kämpfer oder Al Quaida Terrorist ist allerdings ebenso von seiner freiheitlichen Sache geleitet, ebenso Palistinänser und Israelis. Auch im Konflikt der Tierschützer und Fleischproduzenten stehen beide auf der richtigen Seite. Haben die einen die Freiheit der Tiere im Kopf, stellen die anderen die Freiheit des Konsumenten in den Fordergrund. Nur im Ehestreit kommt es regelmäßig vor, dass nur eine Partei nach Freiheit ruft. Nie würde sich aber ein Partner dazu durchringen zu fordern, dass der andere ein weniger an Freiheit haben sollte als dieser wünscht, was nur logisch wäre, wenn beide den selben Freiheitsbegriff verwenden. Das Wort Freiheit ist demnach nichts mehr als eine Fahne, die je nach Laune rot, blau oder grün sein kann, ebenso der Liberalismus. Um also eine vernünftige Diskussion anzuzetteln, brauchen wir wie immer erst einmal eine vernünftige Definition und auch eine Fragestellung wäre nicht übel, damit man ungefähr weiß, wo man hin will. Bekanntermaßen haben wir uns für den Buchtitel „Äpfel für alle!“ entschieden. Das klingt griffig und wird im Allgemeinen als vernünftige Forderung, oder zumindest nicht als Bedrohung verstanden. Wir können diese Forderung also in einen Zielzustand umformulieren, der auf einer breiten Basis steht, nämlich dass alle den Zugang zu Äpfeln haben oder im Besitz einer ausreichenden Menge solcher Früchte sind. Haben wir ein Ziel, ist die Fragestellung nicht weit. Wie, so könnte man fragen, erreicht man also einen solch edlen Zustand? Oder: Wie beseitigen wir jeglichen Mangel an Äpfeln? Zugegeben, eine schwere Nuss, aber bei weitem nicht unmöglich, wie wir meinen. Es gilt jedoch zunächst zu definieren, was mit Liberalismus oder mit Freiheit gemeint sein könnte. Um nicht immer derart hochtrabende Begriffe zu verwenden, wollen aber zuallererst zwei schöne Substitute wählen. Liberalismus soll Manfred sein (Ludwig ist zu politisch) und Frida stehe für Freiheit. Manfred könnte demnach die Idee sein, dem Individuum, also jedem, die größtmögliche Frida zu geben. So weit so gut. Wer zur Hölle ist aber Frida? Frida gewährt Optionen, Handlungsmöglichkeiten. Oder anders: Ist Frida hier, bestehen wenige oder keine Zwänge. Wobei in dem Wort Zwänge (im Folgenden Zwurgs) Bedürfnisse, die untrennbar mit unserer mittelfristigen Existenz verbunden sind, nicht einbezogen sind. Wir haben es also ausschließlich mit externen Zwurgs zu tun, Gott möge uns beschützen! Frida ist also die Abwesenheit von externen Zwurgs. Frida wirkt damit ohne jeden Zweifel sympathisch. Auch Manfred verlässt die Neutralität und erscheint in einem durchaus positiven Licht. Wir sind also auf einem guten Weg. Nun gibt es aber nicht nur Zwurgs, die uns in unseren Optionen einengen, sondern auch Begrenzungen von Handlungsspielräumen (große und kleine Bernds). Dass Frida sicherlich unter jeglichem Bernd zu leiden hat, steht außer Frage. Demnach wäre Frida die Abwesenheit von Zwurgs, wobei ihre Größe mit der Reduktion eines jeden Bernds, entsprechend seiner Größe, zunimmt. Sind wenig oder nur kleine Bernds vorhanden, lässt sich also auf eine große Frida schließen, solange keine Zwurgs um den Weg sind. Damit hätten wir mit der Definition von Frida und Manfred und einer klaren Fragestellung (Wie beseitigen wir jeglichen Mangel an Äpfeln?) den ersten wichtigen Schritt vollbracht. Fortsetzung folgt

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